Erfahrungsberichte
„Es tut Anton wirklich gut“
Im Volksdorfer Wald klettern, mit dem Kanu durch die Kanäle der Außenalster schippern, entdecken, wie eine Müllsortieranlage aussieht – lauter kleine Abenteuer des Alltags erlebt Jörg Borack, und das nicht allein, sondern immer in Begleitung seines Schützlings Anton. Seit Juli 2010 sind beide ein Tandem bei Big Brothers Big Sisters.
Der 41-Jährige arbeitet seit über sieben Jahren im Bereich Marketing großer Versicherungsgesellschaften. Alle zwei Wochen unternimmt er für einige Stunden etwas mit Anton. „Meine Aktivitäten mit dem Jungen sind ein guter Ausgleich zu meiner Arbeit, die sich doch mehr am Schreibtisch abspielt. So mache ich viele Dinge, die man gewöhnlich als Erwachsener nicht macht. Wann unternimmt man schon eine Elbefahrt?“, erzählt Jörg Borack, der mit seiner Lebenspartnerin in Hamburg lebt. Er hat sich für das ehrenamtliche Engagement bei Big Brothers Big Sisters entschieden, um einen Jungen zu fördern und andere Lebenswelten kennenzulernen.
Der Mentor schätzt die professionelle Betreuung durch die gemeinnützige Organisation, die er bei einem Infoabend kennengelernt hat und die ihn als Mentor laufend berät. Nach einem mehrstufigen Aufnahmeverfahren, zu dem unter anderem ein persönliches Gespräch gehört, vermittelte ihm Big Brothers Big Sisters Hamburg einen Schützling, der von seinen Interessen und Erfahrungen her gut zu ihm passt. Anton, der ohne seinen Vater aufwächst, lernte er dann bei der Familie zuhause in Hamburg-Horn kennen.
Die beiden haben schon jede Menge unternommen. Sie waren im Altonaer Museum und im Rennwagenmuseum, haben ein U-Boot besichtigt, den Flughafen samt Rollbahn angeschaut und waren Schlittschuh laufen. Und hinterher essen beide immer noch zusammen, um in Ruhe miteinander zu reden. Ein wichtiger zusätzlicher Ansprechpartner und Rollenvorbild, das ist Jörg Borack für Anton. Und der 14-Jährige ist hörbar begeistert. „ Im Alltag erzählt Anton viel von Jörg“, berichtet seine Mutter: „Jörg hat gesagt…“, „Jörgs Hund hat getan…“. Sie wünscht sich ebenfalls, dass das Tandem noch möglichst lange hält: „Es tut Anton wirklich gut.“
,Großer Bruder` für Moritz
Moritz und ich gehen Fußball spielen, Eis essen oder Tretboot fahren. Ich bin für ihn quasi der ‚große Bruder‘. Seine Mutter ist alleinerziehend und hat vier Söhne. Sie freut sich, dass Moritz mit mir auch eine männliche Bezugsperson hat.
Dr. Wolfgang Thiele (49), Leiter Personal bei Gebr. Heinemann, ist seit Mai 2010 Mentor für Moritz (10).
Wir zwei sind ein starkes Team!
Hallo, wir sind Lara (8 Jahre) aus Steilshoop und Ute (57 Jahre) aus Poppenbüttel. Seit Januar 2009 sind wir ein Tandem bei Big Brothers Big Sisters. Wir treffen uns jede Woche, immer am Montagnachmittag für ein paar Stunden.
Lara: „Als erstes habe ich Ute meine Schule, die Bücherhalle und das Haus der Jugend in Steilshoop gezeigt. Dort kann man viele tolle Dinge machen, z.B. Kickern, Tischtennis spielen, einen PC benutzen oder eines der vielen Spiele ausleihen. Und wir waren zusammen am Bramfelder See und auf einem Abenteuerspielplatz, wo man Trampolin springen und klettern kann. Mit Ute kann ich gut sportliche Sachen machen! Neulich haben wir im Haus der Jugend Steilshoop auch den Michael Jackson Film „This is it!“ gesehen. Das war toll.“
Ute: „Das fand ich auch. Allein hätte ich mir den Film wahrscheinlich gar nicht angesehen. War aber doch interessant! Als die Alster zugefroren war, sind wir beide auf dem Eis spaziert. Das war ja zuletzt 1996 möglich, da lebte Lara noch nicht. Für sie war es deshalb etwas besonderes. Unseren Mut, aufs Eis zu gehen, haben wir hinterher mit einer heißen Schokolade belohnt!“
Lara: „Ja, und dann waren wir auch Schlittschuhlaufen bei Planten un Blomen. Wir sind nach der Musik gelaufen, ich bin fünfmal hingeflogen, aber es hat trotzdem viel Spaß gemacht. Ich war vorher noch nie Schlittschuhlaufen…"
Ute: „…und weil ich vor ca. 40 Jahren zuletzt mit Schlittschuhen auf dem Eis war, haben wir uns so ein „Schiebe-Mainzelmännchen“ zum Abstützen ausgeliehen, mit dem wir gemeinsam übers Eis gleiten konnten.“ Beim Erste Hilfe Kurs von Big Brothers Big Sisters und dem DRK haben wir gelernt, wie man einen Verband anlegt.
Ute: „Mir gefällt am besten, dass ich bei jedem Treffen immer wieder etwas Neues von Lara lernen kann, dass wir über wichtige Dinge (wie z.B. die Schule) reden können und, dass ich mit Lara die Welt aus Kinderaugen erlebe.“
Lara: „Aber das hast Du doch früher auch gemacht, als Du klein warst!“
Die Geschwistermacher
Wir sind die Maximilians
Der kleine Maxi, acht, und der große Max, drei Mal so alt, also 24. Und wir sind Brüder. Jetzt werdet ihr denken: Was sind das denn für Eltern, die ihren Söhnen den gleichen Namen geben. Aber wir haben gar nicht dieselben Eltern. Brüder sind wir auch erst seit ein paar Monaten.
Wie das gehen soll? Nun, das war so: Max hat eigentlich nur große Brüder. Dabei wünscht er sich schon immer einen kleinen. Maxi hingegen findet das ziemlich verrückt, denn er hat schon einen kleinen Bruder. Den hat er auch sehr lieb, aber manchmal würde er trotzdem viel lieber etwas mit jemand anderem, älterem unternehmen.
Also hat Maxis Mama sich erkundigt, was man da machen könnte. Dabei ist sie auf ein Programm gestoßen, das sich „Big Brothers Big Sisters“ nennt. Das ist englisch und heißt übersetzt „Große Brüder Große Schwestern“. Die Leute dort vermitteln Kindern einen Mentor, weil sie glauben, dass das gut ist für die Entwicklung von jungen Menschen. Mentoren sind Erwachsene, die Lust haben, sich um ein Kind zu kümmern und mit ihm ganz viel zu unternehmen. So wie der große Max.
Beim ersten Treffen waren wir noch ein bisschen aufgeregt. Man bekommt ja schließlich nicht alle Tage einen neuen Bruder. Aber das hat sich schnell gelegt. Jetzt treffen wir uns jede Woche und machen viele tolle Sachen miteinander.
Wir waren zum Beispiel im Kino. Der große Max ist Reporter und schreibt manchmal über Filme in den Kindernachrichten, damit ihr Bescheid wisst, wenn etwas Spannendes im Kino läuft. Aber als wir zusammen Disneys „Weihnachtsgeschichte“ in 3D angeschaut haben, konnte Max entspannen. Die Filmkritik danach hat nämlich Maxi abgeliefert. Max hat ihn einfach nach seiner Meinung gefragt und die dann an die Redaktion geschickt. Dann stand Maxis Name in der Zeitung, da war er mächtig stolz!
Aber natürlich machen wir nicht jede Woche so außergewöhnliche Sachen. Manchmal sind wir auch einfach nur in Maxis Zimmer und lesen, spielen oder machen eine Kissenschlacht. Oder wir gehen auf den Abenteuerspielplatz. Da hat Maxi seinem Mentor ganz viele Klettertricks gezeigt. Dafür konnte Max beim Tischtennisspielen im Hinterhof seinem kleinen Bruder noch ein paar Tipps geben.
Und genau das ist das Besondere an unserer Freundschaft: Anders als zum Beispiel in der Schule, lernt hier der Kleine nicht nur vom Großen, sondern auch umgekehrt. Aber vor allem haben wir einfach viel Spaß miteinander.
MAXIMILIAN (MAXI) UND MAXIMILIAN GEYER (MAX)
KINA Nachrichten für Kinder, Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag






